Was ist ein Kultbuch? Auch wenn in den Medien die Rede vom ›Kultbuch‹ omnipräsent scheint, so herausfordernd ist es, genauer zu bestimmen, was ein Buch zum Kultbuch macht. Sind es allein die Leser:innen, die ein Werk mit besonderer Leidenschaft umarmen, oder entsteht Kultstatus durch mediale Diskurse, Skandale, ästhetische Radikalität – oder schlicht durch Zufall? Das Seminar widmet sich der Faszination von Kultbüchern und untersucht, wie literarische Texte zu identitätsstiftenden, generationsprägenden oder subkulturellen Bezugspunkten werden.

Im theoretischen Teil beschäftigen wir uns mit Konzepten aus Literatursoziologie, Rezeptionsforschung und Kulturtheorie: von Kanonbildung über Fankulturen bis hin zu Mechanismen literarischer Wertzuschreibung. Wir werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Phänomenen wie ›Trash‹ oder ›Camp‹ ausleuchten. Im praktischen Teil analysieren wir exemplarische Kultbücher aus verschiedenen Epochen und Genres. So lädt das Seminar dazu ein, anhand von Fallstudien darüber nachzudenken, wie Literatur zu einem sozialen Phänomen avanciert, das zirkuliert, diskutiert und emotional aufgeladen wird. 

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ist eine Zeit grundlegender Umbrüche, die auch von Zeitgenossen schon als Epoche des Übergangs, als Krisen- und Spannungsphase gesehen wurde. Die Literatur ist der Ort, an dem Krisen im weltanschaulichen, religiösen und ästhetischen Wertegefüge verhandelt werden und wo das vielfach empfundene Lebensgefühl der Zerrissenheit wahlweise artikuliert wird oder kuriert werden soll. Die Vorlesung gibt einen Überblick über die deutschsprachige Literatur zwischen 1815 und 1848 vor dem Hintergrund der politischen, kulturhistorischen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen der Zeit. Sie stellt die literarhistorischen Entwicklungen und verschiedenen Strömungen (Biedermeier, Vormärz, Junges Deutschland) vor, behandelt die wichtigsten Autor_innen, zentrale Werke, Themen und Genres sowie die zeitgenössischen ästhetischen und poetologische Debatten.

Graphic Novels haben sich als Untergruppe von Comics in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem der spannendsten Felder der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur entwickelt. Sie erzählen mittels Text und Bild autobiografisch, dokumentarisch oder fiktional und erweitern dabei unser Verständnis davon, was Literatur heute sein kann.

Im Mittelpunkt des Seminars stehen deutschsprachigen Graphic Novels, die im Anschluss an eine Einführungsphase, in der in Auseinandersetzung mit der Comicforschung das Analyseinstrumentarium eingeübt wird, im Hinblick auf die spezifischen Erzählstrategien des Mediums analysiert werden sollen. Wir beschäftigen uns u. a. mit autobiografischen Projekten, historischen Stoffen, Formen des Erinnerns, aber auch mit experimentellen Ansätzen, die die Grenzen zwischen Literatur, Kunst und Popkultur ausloten.

Im Laufe des Semesters wird zudem die besondere Gelegenheit bestehen, zwei der wichtigsten deutschsprachigen Comic-Künstler:innen kennenzulernen, da Ulli Lust und Reinhard Kleist zu Veranstaltungen nach Saarbrücken kommen und uns in diesem Rahmen auch Einblicke in die Praxis des Comiczeichnens ermöglichen.