- DozentIn: Rudolf Weis
(162724) SS 2026 Griechisches Lektüreseminar/Proseminar:
Aischylos (Griechisches historisches Drama), Die Perser
Doz.: Argyri Karanasiou
(Online-Veranstaltung via Teams und Moodle/ Anmeldung auf LSF und Moodle)
INHALT/ 1. KOMMENTAR:
1a. ZUM THEMA: Aischylos’ Tragödie «Die Perser» -das älteste uns vollständig erhaltenes Drama- verfügen über ein unkonventionelles, eher experimentelles Sujet, zumal historische Ereignisse und keine mythologischen Erzählungen -wie es üblich war- auf die Bühne kommen. 8 Jahre nach der Seeschlacht von Salamis (480 v. Chr.), bei der die zahlenmäßig unterlegene griechische Flotte unter dem athenischen General, Themistokles, die persische Flotte des persischen Großkönigs, Xerxes I, besiegte, kommt das Stück auf die Bühne Athens (472 v. Chr.) und thematisiert erneut dieses Schlüsselereignis für die Geschichte Europas, was 476 v. Chr. (4 Jahre vorher) ein anderer Dichter, Phrynichos, in der uns nicht mehr erhaltenen Tragödie «Phönizierinnen» («Phoenissae») behandelt hat. Aischylos, der wahrscheinlich selber auf der Siegerseite gekämpft hatte, präsentiert die Dinge vom Gesichtspunkt der Besiegten Perser und erhält dennoch den ersten Preis. Eine Ur-Aufführung des Dramas in Sizilien -vor einem syrakusanischen Publikum- erweist sich als plausibel (Aischylus’ «Vita» 18 TrGF 3, 37 Radt; vgl. Scholium zu Aristophanes’ «Frösche» V. 1028-29). Zu datieren wäre diese zwischen dem Sieg Hierons I -des Tyrannen von Syrakus- bei der Seeschacht von Cuma (474 v. Chr.) über die Etrusker, die Verbündete der Perser, und der athenischen Aufführung. Auf eine Verbindung der Seeschlacht von Salamis im griechischen Osten mit der Seeschlacht von Cuma im griechischen Westen weist Pindar in seinem ersten «Pythionikos» hin (470 v. Chr., V. 71-78), was die politische Bedeutung des griechischen Sieges über die Perser sowohl in der attisch-ionischen Front (Athen) sowie in der dorischen Front (Syrakus) verkündet.
Lässt sich dieses Drama, ein Schauspiel der Zerstörung und des Überlebens, als eine historische Quelle für die Seeschlacht von Salamis lesen? Der Geschichtsschreiber Herodotos (ca. 484-425 v. Chr.) nützt es als Quelle für seinen Bericht darüber (Historien 8, 70.1-95) und damit wird er zum ersten Interpreten des Aischylos. Spätere griechische historische Quellen dazu sind Diodor’s Bibliotheke 11.16.1-19.6 aus dem 1. Jhr. v. Chr. und Plutarch’s Themistokles 12.1-15.2 aus dem 1.-2. Jhr. n. Chr. Ungeachtet dessen, ob wir das Stück mit Sympathie für die besiegten Perser oder als Triumph der verbündeten Hellenen lesen, ist eine latente Kritik an Athens Führungsrolle unter den anderen Griechen im Attisch-Delischen Seebund (478/77 v. Chr.) nicht zu übersehen.
1b. AUSGEWÄHLTE TEXTSTELLEN: 1) 1-20, 2) 176-96, 3) 197-214, 4) 249-71, 5) 272-89, 6) 290-310, 7) 331-52, 8) 353-72, 9) 373-94, 10) 395-414, 11) 415-32, 12) 447-71, 13) 681-702, 14) 909-30, 15) Präsenz-Klausur.
1c. SPRACHKENNTNISSE:
a) Das Graecum ist NICHT notwendig! Altgriechisch-Vorkenntnisse sind erwünscht. Da der Sprachstil einfach ist, können auch diejenigen daran teilnehmen, die ihre Griechisch-kenntnisse auffrischen oder vertiefen wollen.
b) Ein Vokabular sowie eine deutsche Übersetzung werden den Studierenden per E-mail im Voraus zugeschickt und auf MOODLE hochgeladen.
1d. LEISTUNGSNACHWEIS: Präsenz-Klausur: Übersetzung einer Textstelle, ENTWEDER aus Textstellen 1-7 ODER 8-14
2. LITERATUR:
2a. TEXT
2a.1 Online griechischer Text unter: https://www.greek-language.gr/digitalResources/ancient_greek/library/browse.html?text_id=126&page=1 (mit neugriechischer Übers.).
2a.2 Aeschyli septem quae supersunt tragoedias, Πέρσαι, ed. Denys Page, Oxford Classical Texts, Oxford 1972 (im Bücherapparat in der Institutsbibliothek).
2b. ÜBERSETZUNGEN
2b.1 Wolfgang Schadewaldt, Griechisches Theater, Insel Taschenbuch 19831/ Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1964, 8-55.
2b.2 Kurt Steinmann, Aischylos, Die Perser, griechisch/deutsch, mit Anmerk. und Nachwort, Reclam, 2017
2b.3 Alan H. Sommerstein, Aeschylus, Persians, Loeb Classical Library, ed. and transl., Harvard UP, Cambridge Mass./London 2008 (im Bücherapparat).
2b.4 H. Weir Smyth, Aeschylus, Persians, Vol. I, Loeb Classical Library, Cambridge Mass. Harvard UP/ W. Heinemann Ltd. London 1973, 108-207
2c. KOMMENTAR
E. Hall, Aeschylus, Persians, ed. With Introduction, Translation and Commentary, Aris & Phillips Ltd., Warminster 1996 (im Bücherapparat).
2d. SEKUNDÄRLITERATUR (fakultativ zum Weiterlesen)
2d.1 D. Rosenbloom, «Aeschylus's Athens between Hegemony and Empire», in: J. Bromberg & P. Burian (Eds.), A Companion to Aeschylus, Wiley Blackwell, Hoboken, NJ 2023, 373–388.
2d.2 A. G. Karanasiou, Hieron I and Aeschylus’ Persians: Re-considering the probability of a Syracusan production, in: Parnassos Press/ Fonte Aretusa Organization, Sioux City, Iowa 2017, 33-54
2d.3 E. S. Gruen, Rethinking the Other in Antiquity, Princeton UP, Princeton/ Oxford 2011.
2d.4 V. Parker, «Herodotus’ Use of Aeschylus’ Persae as a Source for the Battle of Salamis», Symbolae Osloenses 82 (1, 2007), 2–29.
2d.5 Ε. Hall, Inventing the Barbarian: Greek Self-Definition Through Tragedy, Oxford UP, Oxford 1989.
2d.6 C. B. R. Pelling, «Aeschylus’ Persae and History», in: C. B. R. Pelling, Greek Tragedy and the Historian, Oxford UP, Oxford 1997.
- DozentIn: Argyri Karanasiou
(162721) SS 2026 Lateinische Lektüre-Übung:
Terenz (Römische Komödie): Die Schwiegermutter (Hecyra)
Doz.: Argyri Karanasiou
(Online-Veranstaltung via Teams und Moodle/ Anmeldung auf LSF und Moodle)
INHALT/ 1. KOMMENTAR:
1a. ZUM THEMA: Die zwei erhaltenen Prologe der Komödie berichten von zwei Misserfolgen; die erste Aufführung der «Hecyra» (Schwiegermutter) des Terenz findet 165 v. Chr. wahrscheinlich bei den Ludi Megalenses statt. Jedoch wurde sie abgebrochen, da sich die Zuschauer an einem Seilkünstler und an Boxkämpfen (Prolog II, V. 30-40), deren Darbietungen gleichzeitig in der Nähe liefen, Gefallen fanden. Die zweite Aufführung (160 v. Chr.) bei den Beerdigungsspielen von Aemilius Paullus (dem Eroberer Makedoniens) endet ebenso ungünstig, da das Publikum mehr Interesse an Fechtkämpfen zeigte. Erst die dritte Aufführung (auch 160 v. Chr.) bei den Ludi Romani war erfolgreich.
Das Stück geht auf das gleichnamige Werk des hellenistischen Komödiendichters Apollodor von Karystos (der zw. 300 und 260 v. Chr. in Athen bekannt wurde) und auf dessen «Epidikazomenos» (Der Kläger) zurück, wobei Ähnlichkeiten zu den «Epitrepontes» (Schiedsrichter) des Menander (ca. 342 -390 v. Chr.), des Hauptvertreters der attischen Neuen Komödie, unverkennbar sind.
Die Komödie thematisiert keine Liebesaffäre eines Jünglings, wie es im Genre der «comoedia palliata» üblich war, sondern Probleme, die eine Ehe gefährden, und genauer gesagt eine illegitime außereheliche Geburt, welche die Auflösung der Ehe herbeiführen und die junge Braut mit Schande stigmatisieren könnte. Eine Braut, deren einziger Fehler gemäß der Komödienhandlung war, dass sie vermeintlich kurz vor ihrer Hochzeit von ihrem noch unbekannten, künftigen Ehemann vergewaltigt wurde. Laut den Komödienkonventionen stellt sich am Ende heraus, dass es in Wirklichkeit um das eigene Kind des Ehepaares handelt. Die Zuschauer befinden sich immer wieder vor der Enthüllung von Geheimnissen in einer spannenden Atmosphäre. Die Charaktere sind mit Sorgfalt und psychologischer Sensibilität skizziert. Die Sprache ist klar und subtil. Der Stil ist deutlich.
1b. AUSGEWÄHLTE TEXTSTELLEN: 1) (Prolog I) 1-8 und (Prolog II) 9-20, 2) (Prolog II) 20-41, 3) (Prolog II) 42-57, 4) (Akt I) 76-97, 5), (Akt I) 115-134 6) (Akt II) 198-207 und 214-228, 7) (Akt II) 251-71, 8) (Akt III) 361-80, 9) (Akt III) 381-400, 10) (Akt III) 401-23, 11) (Akt IV) 672-91, 12) (Akt VI) 799-812, 13) (Akt VI) 816-40, 14) (Akt VI) 861-80, 15) Präsenz-Klausur.
1c. SPRACHKENNTNISSE:
a) Das Latinum ist NICHT notwendig! Latein-Vorkenntnisse sind erwünscht. Da Sprachstil und Vokabular einfach sind, können auch diejenigen daran teilnehmen, die ihre Latein-kenntnisse auffrischen oder vertiefen wollen.
b) Ein Vokabular sowie eine deutsche Übersetzung werden den Studierenden per E-mail im Voraus zugeschickt und auf MOODLE hochgeladen.
1d. LEISTUNGSNACHWEIS: Präsenz-Klausur: Übersetzung einer Textstelle, ENTWEDER aus Textstellen 1-7 ODER 8-14
2. LITERATUR:
2a. TEXT
2a.1 https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.02.0090
2a.2 https://www.thelatinlibrary.com/ter.hecyra.html
2b. ÜBERSETZUNGEN
2b.1 P. Rau, Terenz Komödien, Band I, lat./dt., herausgegeben, übersetzt und
kommentiert, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, 109-86 (im Bücherapparat)
2b.2 D. Ebener, Terenz, Die Schwiegermutter, «henschel Schauspiel
Theaterverlag», Berlin 2006
2b.3 J. Barsby, Terence Vol. 2, The Mother-In-Law, Loeb Classical Library,
Harvard UP, Cambridge Mass./ London 2001 (im Bücherapparat).
2b.4 J. Sargeaunt, Terence Vol. II, The Mother-In-Law, Loeb Classical Library,
Harvard UP, Cambridge Mass./ London 19121/repr. 1995, 124-211
2b.5 B. Radice, Terence, The Comedies, Penguin Paperback Edition, 1976
2b.6 Viktor von Marnitz, Terenz, Die Komödien/ dt. Gesamtausgabe, Kröner
Verlag, Stuttgart1960 (Universitätsbibliothek Signatur: 60-3167)
2c. KOMMENTARE
2.c.1 M. B. F. Schmieder, Die Schwiegermutter, Ein Lustspiel des Terenz, Legare
Street Press, 2023
2.c.2 Sander M. Goldberg, Terence, Hecyra, Cambridge UP, Cambridge/New York
2013 (im Bücherapparat in der Institutsbibliothek)
2.c.3 S. Ireland, Terence, The Mother in Law, ed. with translation, introduction and
commentary 1990 (im Bücherapparat)
2d. SEKUNDÄRLITERATUR (fakultativ zum Weiterlesen)
E. Lefevre, Terenz’ und Appolodors Hecyra, (Zetemata Band 101), C. H.
Beck Verlag, München 1999
- DozentIn: Argyri Karanasiou
„Historia Augusta“ – so betitelte Casaubonus, der das Werk 1603 erstmals gesondert herausgab, eine Sammlung von 30 Kaiserbiographien, von Hadrian bis Numerianus (117–285). Die einzelnen Biographien stammen angeblich von sechs sonst unbekannten Verfassern der Zeit Diokletians (284–305) und Konstantins (306–337), denen sieben bzw. sechs Biographien gewidmet sind. Verfasst wurden sie aber wohl – Datierung und Verfasserfrage sind in der Forschung weiterhin umstritten – um 400 n. Chr., und zwar von einem einzigen Autor. Die „Historia Augusta“ ist aber auch abgesehen von den rätselhaften Umständen ihrer Entstehung ein faszinierendes Werk: So stehen neben wertvollem, offenbar aus guten Quellen geschöpftem Material (so besonders in den Kaiserviten von Hadrian bis Caracalla) offenkundige Fälschungen oder gar schlichte Erfindungen, Berufungen auf fiktive Gewährsmänner u. dgl. mehr.
Die angeblich von Aelius Lampridius verfasste Vita Heliogabali kann man mit M. Yourcenar, Verfasserin der apokryphen „Mémoires d’Hadrien“ und daher gute Kennerin der „Historia Augusta“, als ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht bezeichnen. Auf einen ersten Teil (1– 18,3), in dem die Herrschaft Heliogabals (218–222 n. Chr.) von seiner Erhebung zum Kaiser bis zu seiner Ermordung geschildert wird, folgt ein kurzweiliger, nicht immer jugendfreier Abschnitt (18,4–33), der den Extravaganzen Heliogabals (Stichwort: luxuria) gewidmet ist und nebenbei auch einen guten Einblick u. a. in gehobene Gastronomie, Luxusgüter und ausgefallene Dinnerpartys jener Zeit gewährt. Ein Nachwort (34–35), in dem Konstantin angeredet wird und der Verfasser nicht ohne List sein Unterfangen rechtfertigt, dem Ungeheuer Heliogabal eine Biographie gewidmet zu haben, beschließt das Werk.
Zugrunde gelegt wird die Ausgabe von E. Hohl: Scriptores Historiae Augustae I, Leipzig 21965 (= 11927 mit Zusätzen von Ch. Samberger und W. Seyfarth). Texte werden ausgeteilt und auf Moodle eingestellt.
Wir beginnen am Dienstag 14. April.
Bei Fragen: E-Mail an b.maucolin@mx.uni-saarland.de.
- DozentIn: Brice Maucolin
Der Kurs baut auf dem im WS 2025/26 angebotenen Kurs "Griechisch I" auf. Los geht es am Dienstag 7. April mit Lektion 23.
- DozentIn: Brice Maucolin
