Demokratische Gesellschaften leben davon, dass Menschen ihre Auffassungen begründen, anderen zuhören, unterschiedliche Perspektiven ernst nehmen und gemeinsam über strittige Fragen nachdenken können. Diese Fähigkeiten entstehen nicht erst im Erwachsenenalter, sondern bereits in der Kindheit. Das Philosophieren mit Kindern kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, indem es früh Gelegenheit schafft, Formen demokratischer Deliberation einzuüben.
Das Seminar versteht das Philosophieren mit Kindern als eine besondere Form philosophischer Gespräche. Sie sind durch Begriffsarbeit, Begründungen und gemeinsames Weiterdenken geprägt und unterscheiden sich sowohl von alltäglichen Gesprächen mit Kindern als auch von Formen einer Philosophie für Kinder, deren Ziel primär die Vermittlung philosophischer Inhalte in kindgerechter Form ist.
Eine zentrale Frage des Seminars lautet, welche Kompetenzen benötigen Lehrkräfte, um philosophische Gespräche mit Kindern professionell begleiten zu können, und welche Rolle dabei fachphilosophisches Wissen spielt. Die im Seminar behandelten Ansätze beantworten diese Frage unterschiedlich. Während einige Verfahren keine philosophischen Vorkenntnisse der Lehrkraft für erforderlich halten, messen andere der fachphilosophischen Kompetenz eine zentrale Bedeutung bei. Diese Kontroverse wird im Seminar im Lichte der praktischen Erfahrung bearbeitet.
Die praktische Erprobung des Philosophierens mit Kindern bildet einen wesentlichen Teil des Seminars. Die Teilnehmer arbeiten in vier Arbeitsgruppen. Jede Gruppe entwickelt auf der Grundlage eines Kinderbuchs eine Gesprächseinheit, führt diese mit Kindern im Alter von acht bis elf Jahren durch und wertet sie anschließend gemeinsam mit dem Seminar aus. Auf diese Weise durchlaufen alle Studierenden einen Lernprozess von der theoretischen Auseinandersetzung über Planung und Durchführung bis hin zur systematischen Reflexion.
Das Seminar der Lernwerkstatt zielt damit nicht nur auf den Erwerb von Kompetenzen im Philosophieren mit Kindern, sondern macht zugleich den eigenen Professionalisierungsprozess zum Gegenstand der Reflexion. Je nach Studiengang stehen dabei unterschiedliche Aspekte im Vordergrund: Während für Studierende der Philosophie/Ethik insbesondere philosophische und fachdidaktische Kompetenzen im Mittelpunkt stehen, reflektieren Studierende, die das Seminar im Rahmen der Bildungswissenschaften besuchen, ihren Kompetenzaufbau in einem semesterbegleitenden Reflexionsdossier.
Vorausetzungen
Das Seminar richtet sich an Lehramtsstudierende aller Fächer. Philosophische Vorkenntnisse sind hilfreich, werden aber nicht vorausgesetzt.
Lernziele
Am Ende des Seminars können die Teilnehmer:innen
- unterschiedliche Ansätze des Philosophierens mit Kindern vergleichen und hinsichtlich ihrer Zielsetzungen und Gesprächsformen beurteilen;
- philosophische Fragestellungen in Kinderbüchern identifizieren und für philosophische Gespräche mit Kindern erschließen;
- philosophische Gesprächseinheiten für Kinder planen, durchführen, moderieren und reflektieren;
- philosophische Qualität in Gesprächen beobachten, beschreiben und beurteilen;
- die Rolle fachphilosophischen Wissens für Planung, Durchführung und Auswertung philosophischer Gespräche mit Kindern kritisch diskutieren.
Prüfungen
Für die Anrechnung in den Bildungswissenschaften besteht die Prüfungsleistung in einem Reflexionsdossier.
Das Prüfungsformat in den Studiengängen Philosophie/Ethik richtet sich nach dem Modul, für das Sie das Seminar anrechnen lassen möchten.
Die genauen Anforderungen werden in der ersten Sitzung erläutert.
Organisatorisches
Zu vier Terminen werden Kinder an die Universität eingeladen (19.11., 03.12, 07.01, 21.01., jeweils 8.30–10 Uhr). Jede Arbeitsgruppe führt an einem dieser Termine mit den Kindern ein philosophisches Gespräch durch und wertet es anschließend gemeinsam mit dem Seminar aus. Eine der regulären Seminarsitzungen entfällt im Ausgleich.
Bitte melden Sie sich über das LSF an. Eine Anmeldung ist keine formelle Zulassungsvoraussetzung, erleichtert aber die Planung des Seminars.
Wenn Sie sich im LSF anmelden, erhalten Sie vor Beginn des Wintersemesters Zugang zum digitalen Arbeitsbereich des Seminars.
Donnerstags
Zeit: 10.00 - 12.00 Uhr
Ort: Gebäude A2.2 - Seminarraum 2.16
- DozentIn: Roland Bluhm
Nach der Vorstellung der didaktischen Grundidee und Möglichkeiten der Strukturierung des Philosophie- und Ethikunterrichts werden unterschiedliche Methoden erarbeitet und auf ihre Möglichkeiten hin überdacht. Einzelne Stunden sind zu konzipieren; diese Konzeptionen werden im Seminar diskutiert und im Rahmen des semesterbegleitenden Praktikums im Unterricht umgesetzt. Die Erfahrungen aus diesen selbst gehaltenen Stunden und die Beobachtungen in den Stunden, die von anderen Teilnehmerinnen gehalten werden, werden dann wiederum im Seminar reflektiert, so dass diese Lehrveranstaltung durch ein stetes Hin und Her von Theorie und Praxis bestimmt wird.
Hilfreiche Literatur:
- Jonas Pfister, Peter Zimmermann (Hrsg.), Neues Handbuch des Philosophie-Unterrichts, 1. Auflage 2016, Bern : Haupt Verlag, 2016
- Nida-Rümelin, Spiegel, Tiedemann (Hrsg.), Handbuch Philosophie und Ethik, Band 1: Didaktik und Methodik, 2. Auflage 2017,
- Paderborn : Ferdinand Schöningh, 2015 Barbara Brüning: Philosophieren in der Sekundarstufe. Methoden und Medien. Beltz Verlag, Weinheim 2003.
- Barbara Brüning, Ekkehard Martens (Hrsg.): Anschaulich philosophieren. Beltz Verlag, Weinheim 2007.
- Barbara Brüning (Hrsg.): Ethik Philosophie Didaktik. Praxishandbuch. 2. Auflage, Cornelsen Verlag GmbH, Berlin 2016.
- Michael Wittschier: Textschlüssel Philosophie. Bayrischer Schulbuchverlag, München 2010.
- Peter Köck: Handbuch des Ethikunterrichts. 5. überarbeitete Auflage, Auer Verlag, Augsburg 2019
Freitags
Zeit: 14.00 - 16.00 Uhr
Ort: Gebäude A2.2 - Seminarraum 2.16
- DozentIn: Michael Mateas
Donnerstags
Zeit: 14.00 - 16.00 Uhr
Ort: Gebäude B3.1 - Seminarraum 2.29
- DozentIn: Philip Rieger
Das Seminar ist Teil des Moduls Angewandte Fachdidaktik. Zunächst werden Ideen der philosophischen Fachdidaktik gemeinsam erörtert und fachdidaktische Perspektiven auf die verschiedenen Aspekte und Phasen des Unterrichtens aufgezeigt. Anschließend werden Reihenplanungen und Stundenentwürfe exemplarisch entwickelt und auf ihre Plausibilität hin überprüft. Schließlich werden - nicht zuletzt mit Blick auf das im Anschluss stattfindende Blockpraktikum - Kriterien für die Beobachtung und Beurteilung fremden und eigenen Unterrichts vermittelt und eingeübt. Nach dem Praktikum wird diese dann in einer Sitzung gemeinsam reflektiert.
Hilfreiche Literatur:
- Jonas Pfister, Peter Zimmermann (Hrsg.), Neues Handbuch des Philosophie-Unterrichts, 1. Auflage 2016, Bern : Haupt Verlag, 2016
- Nida-Rümelin, Spiegel, Tiedemann (Hrsg.), Handbuch Philosophie und Ethik, Band 1: Didaktik und Methodik, 2. Auflage 2017, Paderborn: Ferdinand Schöningh, 2015
- E. Martens, Methodik des Ethik- und Philosophieunterrichts.Philosophieren als elementare Kulturtechnik, Hannover, 3.Aufl., 2007
- Anita Rösch: Kompetenzorientierung im Philosophie- und Ethikunterricht. LIT Verlag, Berlin, 3. Auflage 2012
- Sistermann, R.: Das Bonbonmodell. In: ZDPE, 1/2005. 16-27
- Barbara Brüning: Philosophieren in der Sekundarstufe. Methoden und Medien. Beltz Verlag,Weinheim 2003
- Wittschier, M., Medienschlüssel Philosophie. 30 Zugänge mit Beispielen. München 2016, Patmos.
- Wittschier, M., Textschlüssel Philosophie. 30 Erschließungsmethoden mit Beispielen. München 2010, Patmos.
- Raters, Marie-Luise, Das moralische Dilemma im Ethik-Unterricht. Dresden 2011, Thelem.
Freitags
Zeit: 16.00 - 18.00 Uhr
Ort: Gebäude A2.2 - Seminarraum 2.16
- DozentIn: Michael Mateas
Donnerstags
Zeit: 12.00 - 14.00 Uhr
Ort: Gebäude B3.1 - Seminarraum 2.29
- DozentIn: Philip Rieger
Donnerstags
Zeit: 14.00 - 16.00 Uhr
Ort: Wird noch bekanntgegeben
- DozentIn: Marco Zimmer
