Bereits seit einigen Jahren – unlängst anlässlich der documenta und der Biennale di Venezia – mehren sich in Feuilletons oder in den sozialen Medien moralische Vorwürfe gegen Künstler*innen und ihre Werke. Sie stehen im Verdacht, gewaltverherrlichend, sexistisch, homophob oder faschistoid zu sein. Unabhängig davon, ob diese konkreten Vorwürfe zutreffen oder nicht, kann man fragen, ob und wie eine moralische Bewertung eines Kunstwerkes überhaupt möglich ist. Weniger strittig hingegen scheint die ästhetische Bewertung von Kunstwerken. Oder? Lassen sich objektive Kriterien finden, anhand deren sich angemessene von unangemessenen ästhetischen Urteilen unterscheiden lassen oder sind ästhetische Werturteile vielmehr persönliche Gefallensbekundungen, die auf individuellen Präferenzen beruhen? Eine ähnliche Frage lässt sich auch an moralische Urteile richten. Wie unterscheiden sich ästhetische Urteile von moralischen Urteilen überhaupt?

Die angesprochenen Fragen sind nur einige aus einer ganzen Sammlung von Problemen, die sowohl für die Ethik als auch die Ästhetik von zentraler Bedeutung sind. Zu den weiteren zählt unter anderem die Frage, was Kunst zur Entwicklung eines Bewusstseins moralischer Normen leisten kann. In dem Seminar wollen wir uns mit den philosophischen Debatten beschäftigen, die an der Schnittstelle der beiden Disziplinen geführt werden und insbesondere das Verhältnis von Kunst und Moral näher beleuchten. Unter anderem werden wir dafür auf folgende Texte zurückgreifen:

  • Eaton, Anne W.: What’s Wrong with the (Female) Nude?. In: Hans Maes und Jerrold Levinson (Hgg.): Art and Pornography. Philosophical Essays, Oxford 2012, S. 278–307.
  • Gaut, Berys: The ethical criticism of art. In: Jerrold Levinson (Hg.): Aesthetics and Ethics, Cambridge 1998, S. 182–203.
  • Hason, Louise: Moral Realism, Aesthetic Realism, and the Asymmetry Claim. In: Ethics 129 (2018), S. 39–69.

Alle Texte, auf deren Basis die Diskussion stattfinden soll, sowie etwas Literatur zur Einstimmung werden über Moodle zur Verfügung gestellt. Da sie zum Teil in englischer Sprache verfasst wurden, ist die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte für die Teilnahme am Kurs unerlässlich und wird dementsprechend vorausgesetzt.

Mittwoch
Zeit: 12.00 - 14.00 Uhr
Ort: Gebäude B4 1 - Seminarraum 0.02.1