In der Populationsethik geht es um Fragen wie die folgenden: Wie viele Menschen sollte es geben? Kann es eine Pflicht geben, Menschen in Existenz zu bringen? Unter welchen Umständen sind wir verpflichtet, davon abzusehen, uns fortzupflanzen? Kann es Überbevölkerung geben? Kann die Existenz einer Person für sie selbst ein Nutzen oder ein Schaden sein? Wie sollten wir einen Weltzustand, in dem es wenige Menschen gibt, die sich eines Lebens von einer hohen Qualität erfreuen, mit einem Weltzustand vergleichen, in dem es deutlich mehr Menschen gibt, die zwar ein gutes, aber schlechteres Leben haben?
Wir werden im Seminar ausgewählte Kapitel und Passagen aus dem bahnbrechenden Werk Reasons and Persons (1984) von Derek Parfit (1942-2017), der 2014 den prestigeträchtigen Schock-Preis für Logik und Philosophie erhielt, lesen und diskutieren. Zunächst werden wir uns über grundlegende Begriffe, Probleme und Ansätze im Bereich der Populationsethik Klarheit verschaffen. Danach wird die Diskussion von Lösungsvorschlägen zu drei irritierenden Problemfeldern aus der Populationsethik im Mittelpunkt stehen: dem Non-Identity-Problem, dem Mere-Addition-Paradox und der Repugnant Conclusion. Dazu werden wir einige Forschungsaufsätze zu Rate ziehen, die im Rahmen der internationalen populationsethischen Debatte aus der Auseinandersetzung mit den Ideen Parfits hervorgegangen sind.
(Das Seminar findet zwar in deutscher Sprache statt, da die zugrundeliegende Literatur allerdings weitgehend auf Englisch ist, setzt die Teilnahme gute Englischkenntnisse voraus, ebenso wie die Bereitschaft, sich auf – zum Teil recht schwierige – Fachtexte in englischer Sprache einzulassen und sich damit intensiv auseinanderzusetzen.)
Studienleistung (Voraussetzung für die Erbringung der Prüfungsleistung): Vorbereitung und Durchführung einer Präsentation/eines Referats (ggf. auch in 2er- oder 3er-Gruppen möglich)
Prüfungsleistung: Hausarbeit
Literatur (Auswahl):
- Arrhenius, Gustaf (2000): ‘An Impossibility Theorem for Welfarist Axiologies’, Economics and Philosophy, 16, S. 247-266
- Boonin, David (2008): ‘How to Solve the Non-Identity Problem’, Public Affairs Quarterly, 22 (2), Apr. 2008, S. 129-159
- Frick, Johann (2020): ‘Conditional Reasons and the Procreation Asymmetry’, Philosophical Perspectives, 34 (1), S. 53-87
- Meacham, Christopher (2012): ‘Person-Affecting Views and Saturating Counterpart Relations’, Philosophical Studies, 158, S. 257-287
- Parfit, Derek (1984): Reasons and Persons. Oxford: Clarendon Press.
- Parfit, Derek (1986): ‘Overpopulation and the Quality of Life’, in P. Singer (ed.), Applied Ethics, Oxford University Press, S. 145-164
- Tännsjö, Torbjörn (2002): ‘Why We Ought to Accept the Repugnant Conclusion’, Utilitas, 14 (3), Nov. 2002, S. 339-359
Montag
Zeit: 10.00 - 12.00 Uhr
Ort: Gebäude B4 1 - Seminarraum 0.02.1
- DozentIn: Helge Rückert