Sowohl Ludwig Wittgenstein (1889-1951) als auch Saul A. Kripke (1940-2022) zählen zu den bedeutendsten und schillerndsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Nicht nur mit seinem Hauptwerk Naming and Necessity hat Kripke für Furore gesorgt, sondern u.a. auch mit seiner originellen und einflussreichen Wittgenstein-Interpretation, in der er ein skeptisches Paradoxon hinsichtlich des Regelfolgens als Schlüssel zum Verständnis von Wittgensteins Philosophie ausmacht: Könnte es sein, dass wir mit „+” gar nicht die Addition meinen, sondern eine andere mathematische Funktion, die Quaddition, und deshalb auf „68+57=?” gar nicht „125” antworten sollten, sondern „5”? Oder allgemeiner: Könnte es sein, dass wir uns hinsichtlich dessen, was wir mit unseren Wörtern meinen, immer und systematisch täuschen?

Es ist umstritten, ob Kripke eine korrekte Wittgenstein-Exegese vorgelegt hat, ob er also mit seiner Rekonstruktion dem gerecht worden ist, was Wittgenstein tatsächlich gemeint hatte. Doch unabhängig von dieser Frage besitzen die Überlegungen Kripkes zu Wittgenstein eine solche argumentative Kraft, dass Kripkes Wittgenstein-Buch schon lange als eigenständiger Klassiker der neueren Analytischen Philosophie gilt.

Hauptziel dieses Seminars ist es, durch gründliche gemeinsame Lektüre und Diskussion von Kripkes Buch mit zentralen Aspekten der Philosophien der beiden Hauptprotagonisten sowie mit weiteren damit zusammenhängenden Themen der Sprachphilosophie und der Theoretischen Philosophie vertraut zu machen (in Kripkes Buch werden u.a. auch Humes Kausalitätsauffassung, Quines These von der Unbestimmtheit der Urübersetzung und Goodmans Neues Rätsel der Induktion ausführlicher angesprochen).

Textgrundlage:

Saul A. Kripke: Wittgenstein on Rules and Private Language. An Elementary Exposition. Harvard University Press, Cambridge [Ma.] 1982 (dt.: Wittgenstein über Regeln und Privatsprache. Eine elementare Darstellung. Suhrkamp, Frankfurt 1987)

Freitag
Zeit: 10.00 - 12.00 Uhr
Ort: Gebäude B3 1 - Seminarraum III (0.12)